Der Absturz der Halifax TL-Y

- ein Flugzeugabsturz in der Nacht des 28./29. August 1941 in Schermbeck -

 

Bericht von Matthias Hundt, unterstützt von Hans-Josef Lehrich, Pete Tresadern und Friedrich Stricker

Ein kurzer, schlichter Satz im Operations Record Book des 35 Squadron der RAF: “This aircraft was not heard of again and now officially reported ´missing´ .”
Hinter diesem Eintrag verbirgt sich die Geschichte einer Flugzeugbesatzung, welche in der Nacht vom 28. auf den 29. August 1941 in Schermbeck abstürzte. Ihre Geschichte...

Die erste Einheit, die ab November 1940 mit Serienmaschinen des Halifax Bombers ausgerüstet wurden, war die No 35 Squadron der RAF. Stück für Stück begann die Umrüstung auf das neue Flugmuster. Nach monatelangen Training erfolgte der erste Einsatz des neuen Bombermusters durch 6 Maschinen des No 35 Squadron in der Nacht vom 10. auf den 11. März 1941 auf Le Havre.
 

Der Angriff der 35 Sqdn. in der Nacht vom 28. auf den 29. August 1941 begann - wie die bisherigen Einsätze - vom RAF Flugplatz Linton-on-Ouse. Unter anderem startete gegen 00:12 Uhr die Halifax Mk I, TL-Y mit der Seriennummer L9501 zum Angriff auf Duisburg. Dies war der 14. Einsatz dieser Maschine seit ihrer Indienststellung bei der No 35 Squadron. Die Angriffsformation aus 118 Flugzeugen bestand aus 60 Wellington, 30 Hampden, 13 Stirling, 9 Halifax und 6 Manchester. Laut einem Bericht der örtlichen Polizei erfolgte der Angriff auf Duisburg in der Zeit von 2:20 Uhr bis 3:50 Uhr (Ortszeit). Nach dem Angriff wurden 563 Bomben gezählt, nach unbestätigten Angaben zufolge waren Bahnanlagen das Hauptziel. Dieser mehrseitige Bericht listet detailiert die Toten und die Zerstörungen in der Stadt auf. Von diesem Einsatz kehrten 6 Maschinen – darunter eine Halifax – nicht mehr zur ihren Heimatstützpunkten zurück.

Die Halifax TL-Y erhielt bei ihrem 14 Einsatz schwere Flaktreffer. Während des Abflugs in nordöstlicher Richtung verlor der Pilot nördlich des Ruhrgebiet entgültig die Kontrolle. Kurz vor dem Aufschlag drehte sich der viermotorige Bomber in der Luft, so das sie gegen die Flugrichtung am nördlichen Lippeufer zwischen den Orten Gahlen und Schermbeck aufschlug. Ein Besatzungsmitglied versuchte noch die Maschine per Fallschirm zu verlassen. Teile des Fallschirms verfingen sich jedoch an der Maschine und er stürzte mit dem Bomber in den Tod. Sein Körper wurde aus der weichen Wiese am südlichen Flußufer geborgen. Der Rumpf der Halifax wirkte wie gebrochen. Flügel, der Rumpf sowie das Heck lagen einige Meter vom Fluß entfernt. Das durch Absturz und Brand schwer beschädigte Rumpfvorderteil mit dem Cockpit lag sehr dicht am Fluß.
Nachdem die Feuerwehr Schermbeck das Flugzeugwrack in der Nacht bereits gelöscht hatte, wurde das Gelände gesperrt und das Wrack durch Flaksoldaten bewacht.
Aus dieser Zeit stammen einige Aufnahmen, die den Bomber an der Lippe liegend zeigen.
Die gefallenen Soldaten wurden aus der Maschine geborgen. Bekannt ist, das 4 Soldaten aus der Kanzel und 1 Soldat aus dem Heckstand geborgen wurden, Aus welchen Bereichen die restliche Besatzung geborgen wurde und welche Position der außerhalb der Maschine aufgefundenen Soldat hatte, ist nicht bekannt.
Die Reste der Halifax wurden später vom Personal einer Flakbatterie zerlegt und geborgen, anschließend zur weiteren Verwertung zum Schermbecker Bahnhof gebracht. Die 7 gefallenen Besatzungsmitglieder des Halifax Bombers wurden auf dem Kommunalfriedhof an der Weseler Straße beerdigt. Die Beisetzung fand im Beisein eines Flakzugs als Ehrenformation statt. Nachdem die Gräber geschlossen waren, wurden Holzkreuze mit den Daten der Gefallenen aufgestellt. Anders als bei Soldaten der Wehrmacht, trugen britischen Soldaten Erkennungsmarken, in denen ihre Name eingestanzt waren.
Nach dem Krieg wurden die Soldaten durch die britische Armee exhumiert und im April 1947 auf den War Cemetery Kleve umgebettet.

Die Crew der Halifax L9501

Nachdem die Besatzung seit dem  29. August 1941 als vermisst galt, erreichte ihre Einheit am 4. Oktober 1941 die Nachricht über den Tod der Kameraden.
Der Eintrag im Operations Record Book: “A telegram received through Air Ministry from the International Red Cross Society states that P/O Adkins and all members of his crew, missing on operations on 29th August, were killed”.

Pilot Officer Arthur Edward Charles Adkins, Personalnummer 101039 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 12. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Sergeant Harold Brelsford, Personalnummer 1162052 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 10. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Sergeant Frederick William Hill, Personalnummer 902598 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 15. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Sergeant Alfred James Manning, Personalnummer 961238 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 13. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Pilot Officer Charles James Pearson, Personalnummer 64268 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 11. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Sergeant Alfred William Rose, Personalnummer 746835 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannien
Grab 17. A. 9. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Sergeant Herbert Thompson, Personalnummer 1052413 Royal Air Force Volunteer Reserve Großbritannie.
Grab 17. A. 14. Reichswald Soldatenfriedhof, Kleve.

Im Frühsommer 2014 waren die größten Lücken in der Geschichte der L9501 geschossen.
Bis auf fundierte Angaben über die beteiligten Falkeinheiten sowie das Datum der ersten Beisetzung sowie Exhumierung der Flugzeug- besatzung auf dem Schermbecker Friedhof konnte das Schicksal geklärt werden.
Für den Fall, das Hinterbliebene Einblick in unsere Ergebnisse nehmen wollten, wurden die Informationen von mir abschließend in zwei kleine Schriften zusammengefasst und an Pete übergeben.

 © Zeichnungen, Grafiken und Fotos Matthias Hundt

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