Feldflugplatz Kirchhellen

- Ein unvollständiger militärhistorischer Zeitablauf -

01.09.1939   -   Fall Weiß / Überfall auf Polen
 

08. und 16.11.1939
Flugzeugführer Geyer samt Besatzung (Borowski, Menzel, Nafz) landen mit einer Dornier Do17P (Vbkz. 5D+FL) der 3./Auf.Gr. 31 aus Ziegenhain kommend kurz vor Mittag in Kirchhellen. Am 16.11. startet die Maschine – nun mit Flugzeugführer Eisenrieth und Besatzung Nafz – nach Düsseldorf [*1].
 

28.02.1940
Oblt. Hans Jäger und sein Begleiter Krause legen eine Zwischenlandung mit 2 Stunden Aufenthalt in Kirchhellen ein. Der Pilot der I./Z.G 76 befindet sich mit einer Messerschitt Bf108 Taifun (NC+OB) auf einem Kurierflug von Dortmund nach Jever [*1].
 

09.04.1940   -   Unternehmen Weserübung / Überfall auf Norwegen und Dänemark
 

02.1940 bis 16.05.1940   -   IV.(Stuka)/L.G. 1 mit Junkers Ju87B in Duisburg-Kirchhellen, Gruppenkommandeur Hptm. Peter Kögl [*5].
05.1940 bis 06.1940   -   II./K.G. 4 mit Heinkel He111P in Kirchhellen, Gruppenkommandeur Maj Dietrich Freiherr von Massenbach [*5].
 

30.04.1940
Uffz. Engelbert Piederstorfer und sein Bordschütze Uffz. Oswald Mechel von der IV.(Stuka)/L.G. 1 stürzen bei einem Übungsbombenabwurf bei Kirchhellen ab. Der Pilot fängt seine Junkers Ju87B nicht rechtzeitig ab und stürzt in den Boden, hierbei kommt die Besatzung zu tode. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 2 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 02.05.1940 aufgeführt [*3].

01.05.1940 bis 05.1940   -   I./Z.G. 1 mit Messerschmitt Bf110C in Kirchhellen, Gruppenkommandeur Hptm. Wolfgang Falck [*5].
 

10.05.1940   -   Fall Gelb / Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg
 

05.1940
General der Flieger, Albert Kesselring besucht die I./Z.G. 1 unter Gruppenkommandeur Hptm. Wolfgang Falck in Kirchhellen.
Die Ehrenformation steht noch an der Junkers Ju52/3 "Scheich" BT+AY, während die Offiziere bereits von Hptm. Wolfgang Falck begrüßt werden. Anschließend gibt es einen gemeinsamen Rundgang bei der ersten Gruppe des Z.G. 1. Der Stab der I. Gruppe wird unter dem Kommando von Hptm. Wolfgang Falck knapp einen Monat später in Mönchen-Gladbach zur ersten Nachtjagdeinheit der Luftwaffe, dem Stab I./N.J.G. 1.

Vor der Messerschmitt Bf110C verabschiedet sich Kesselring von Falck.

15.05.1940
Zwei Maschinen der 1./Z.G. 1 kollidieren kurz nach dem Start vom Feldflugplatz Kirchellen in der Luft. Die Besatzung Pilot Uffz. Helmut Eberlein und der Bordfunker Obergfr. Gerhard Schlender kommt zu tode. Bei der zweiten Besatzung wird der Pilot Uffz. Waldemar Gerstmann verletzt, Bordfunker Obergfr. Heinz Braunsberger kommt zu tode. Die Verluste werden unter der laufenden Nummer 13 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 17.05.1940 aufgeführt [*3].

Verlustmeldung des Genst.Gen.Qu.. 6

10.05.1940 bis 05.06.1940
Die 4. Staffel des K.G. 4 General Wever beteiligt sich mit Flügen von und nach Kirchhellen am Westfeldzug. Das Flugbuch von Karl Hauck belegt in diesem Zeitraum 33 Feind-, Rück- und Überführungsflüge mit Heinkel He111 (5J+AM, 5J+BM und 5J+GM) sowie 7 Transportflüge mit Junkers Ju52/3 (N3+BX und TH+NP).
Zumdem nimmt Georg Wedemeyer von der 6./K.G. 4 mit einer Heinkel He111 (DC+FD) am 26.05.1940 an einem Verbandsflug von Amsterdam nach Kirchhellen teil [*1]. Gruppenkommandeur Major Dietrich Freiherr von Massenbach [*5].

Mit dieser Junkers Ju52/3  wurden Transportflüge von bzw. nach Kirchhellen durchgeführt.

Zumdem nimmt Georg Wedemeyer von der 6./K.G. 4 mit einer Heinkel He111 (DC+FD) am 26.05.1940 an einem Verbandsflug von Amsterdam nach Kirchhellen teil [*1]. Gruppenkommandeur Major Dietrich Freiherr von Massenbach [*5].

05.11.1940
Die Messerschmitt Bf110C-4 mit der Werknummer 3633, Stkz. TD+KI vom Lz.-Amt Liegnitz führt eine Bruchlandung bei Kirchhellen durch. Die Besatzung verorientiert sich bei der Überführung, so kommt es zu Beschädigungen von 70% an dem Flugzeug. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 7 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 07.11.1940 aufgeführt [*3].
 

Zwischenzeitlich war auch die NSFK (Nationalsozialistisches Fliegerkorps) Gruppe 10 mit Segelflugzeugen in Kirchhellen. Hier erfolgte die Segelflugaus- bildung mit Hitlerjungen [*5].
 

05.03.1943
Die Messerschmitt Bf110F-4 mit der Werknummer 4821 von der 11./N.J.G. 1 stürzt bei Schermbeck auf Grund von Brennstoffmangel ab. Während der Pilot Ofw. Wilhelm Hermann verletzt wird, wird der Nachtjäger als Totalverlust abgeschrieben. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 157 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 07.03.1943 aufgeführt [*3].
 

10.10.1943
Die Messerschmitt Bf109G-6 mit der Werknummer 15920 von der 12./J.G. 26 unternimmt bei Dorsten auf Grund von Bordwaffenbeschuss eine Notlandung. Während der Pilot und Staffelkapitän Hptm. Hermann Staiger verletzt wird, entsteht am Jäger ein Bruchschaden von 85%. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 9 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 15.10.1943 aufgeführt [*3].
 

06.07.1944 bis 24.07.1944
Flugzeugführer Uffz Engling und Begleiter Uffz Richard März von der 8./N.J.G. 2 pendeln in diesem Zeitraum regelmäßig zwischen Volkel und Kirchhellen mit Junkers Ju88G-1 Nachtjägern. Bei den Flügen mit der 4R+IS und 4R+SS handelt es sich um morgendliche Einsatzverlegungen zum Ausweichplatz und abendliche Rückverlegungen zum Einsatzhorst Volkel. Bis zu vier Nachtjäger sollen sich so zwischenzeitlich zur Diszolierung am Feldflugplatz Kirchhellen befunden haben (lt. Fritz Ellinghorst) [*1].
 

28.08.1944 bis 04.09.1944   -   I./J.G. 77 mit Messerschmitt Bf109G Kirchhellen, Gruppenkommandeur Hptm. Lothar Baumann [*5]. Im Zeitraum vom 28.07.1944 bis zum 23.10.1944 wurden der I./J.G. 77 144 Bf109G zugewiesen, davon waren mindestens 48 Jäger der Ausführung G-14/U4 [*2].

03.09.1944 bis 22.11.1944   -   II./J.G. 26 mit Focke Wulf FW190A in Kirchhellen,
Nachdem britisch-kanadische Truppen am 3. September Brüssel besetzten, verlegt die II./J.G. 26 noch am gleichen Tag mit Ihren FW190A von Melsbroeck über Düsseldorf nach Kirchhellen. Von hier aus werden ein Teil der Gruppe bis in den November 1944 in der Reichsverteidigung eingesetzt. In diesem Zeitraum werden unter anderem Einsätze gegen das alliierte Luftlandeunternehmen bei Nijmegen, Eindhoven und Arnheim – der Operation Market Garten – geflogen [*1]. Gruppenkommandeur ist Hptm. Georg Peter Eder [*5]. Im Zeitraum vom 15.07.1944 bis zum 11.08.1944 wurden der II./J.G. 26 81 FW190 zugewiesen, davon waren mindestens 66 Jäger der Ausführung A-8 [*2].
 

05.12.1944
Fw. Heinz Marx von der 16./J.G. 54 stürzt mit seiner blauen 10, eine FW180A-8 mit der Werknummer 380170 nach einem Luftkampf mit einer Spitfire bei Kirchhellen-Feldhausen ab. Er wird auf dem Friedhof in Kirchhellen, H-136A beigesetzt [*3].
 

23.12.1944
Nach einem 98-minütigen Einsatzflug landet Lt. Gottfried Dietze von der II./J.G. 26 von Nordhorn-Clausheide kommend gegen 13:30 Uhr mit einer FW190D-9 in Kirchhellen. Gegen 14:40 Uhr startet er wieder und überführt seine "1" nach Clausheide zurück [*1].
 

01.01.1945   -   Unternehmen Bodenplatte
Unter dem Decknamen "Bodenplatte" fliegt die deutsche Luftwaffe einen Großeinsatz gegen alliierte Flugplätze in Nordfrankreich, Belgien und den südlichen Niederlanden.

 

Uffz. Herbert Dosch von der 2./J.G. 1 startet gegen 08:10 Uhr von Drope bei Lingen mit seiner FW190 zum Tiefangriff auf den Flugplatz Gent. Gegen 10:15 Uhr landet er in Kirchhellen. Nach Aufenthalt bis 16:00 Uhr überführt er seine "25" zurück nach Drope [*1]. Der britische Geheimdienst fängt an diesem Tag eine Meldung vom Flugplatz Kirchhellen an die III./JG 54 in Varrelbusch ab: Oblt. Hans Dortenmann ist mit seiner FW190 sicher in Kirchhellen gelandet; Fähnrich Klaus Meixner machte mit seiner FW190 eine Bauchlandung in Kirchhellen [*4].

 

14.01.1945
Die Messerschmitt Bf109G-10 mit der Werknummer 491436 von der II./J.G. 77 unternimmt bei Kirchhellen auf Grund von Feindbeschuss eine Bauchlandung. Der Pilot Lt. Krause wird verletzt, am Jäger entsteht ein Bruchschaden von 90%. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 111 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 17.01.1945 aufgeführt [*3].
 

14.01.1945
Die Messerschmitt Bf109G-10 mit der Werknummer 491405 von der II./J.G. 77 stürzt südlich von Kirchhellen nach einem Luftkampf ab. Der Pilot Uffz. Werner Gölkel (Gölckel) wird verletzt, am Jäger wird als Totalverlust abgeschrieben. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 112 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 17.01.1945 aufgeführt [*3].
 

14.01.1945
Die Messerschmitt Bf109G-10 mit der Werknummer 491386 von der II./J.G. 77 unternimmt in Kirchhellen auf Grund von Feindbeschuss eine Bauchlandung. Der Pilot Uffz. Heinz Krause wird verletzt, am Jäger entsteht ein Bruchschaden von 90%. Der Verlust wird unter der laufenden Nummer 114 vom Genst.Gen.Qu. 6. Abt. am 17.01.1945 aufgeführt [*3].
 

02.1945 bis 03.1945
N.S.Gr. 1 mit Junkers Ju87 in Kirchhellen, Gruppenkommandeure Hptm. Herbert Hilberg, 21.9.44 - 8.5.45 (N.S.Gr. 1 [Süd] ab 02.1945)  sowie Hptm. Müller-Broders, 02.1945 - 08.05.1945 (N.S.Gr. 1 [Nord]) [*5].

 

Die Besatzung Lt. Tschersich und Uffz. Scholz von der I./N.S.Gr. 1 fliegt am 02.02.1945 von 3:00 Uhr bis 4:25 Uhr einen Feindflug mit der Junkers Ju87D-5, Vbkz. V8+FD vom Flugplatz Kirchhellen [*1]. Am 08.02.1945 wird die Gruppe am Flugplatz durch Spitfire der RCAF 442 Sqdn überrascht, es kommt zu Maschinenverluste sowie 8 Tote und ein Verletzten. In den Verlustlisten des Gen.Q. sind Werknummern von 4 Ju87 mit Schäden von 70% bis 100% notiert [*3]. Bis zum 13.03.1945 sind Einsätze der Besatzungen Tschersich/Scholz, Steinbrecher/Schaika, Ludewigt/Arenz, Feige/Reinhardt und Lossen/Schleicher dokumentiert, meistens mit Ju87D-5. Neben Bereitstellungs- und Aufmarschräume in den Niederlande werden Ziele auf der westlichen Rheinseite angegriffen. Unter Anderem griff die N.S.Gr. 1 von Kirchhellen auch die von den Alliierten eroberte Brücke bei Remagen an. Vom 17. bis 19.03.1945 finden Verlegungsflüge zum neuen Einsatzhorst Störmede statt. Die letzte fliegende Einheit verlässt Kirchhellen  [*1].

 

Frontübergang

Auszug aus dem Buch “History of IX Engineer Command”
... Zu diesem Zeitpunkt hatte die neunte Armee den Rhein im Norden überquert. Am 29. März erreichte eine Abteilung des 830th Engineer Aviation Battalion den Flugplatz Y-82 bei Kirchhellen. Obwohl die Instandsetzungsarbeiten durch den Beschuss von Mörsern und Panzern - welche sich an den nördlich und südlich vorbeiführenden Straßen des Flugplatzes befanden - stark erschwert wurden, gelang des der 830th EAB bereits am nächsten Tag das Flugfeld für den Einsatz herzurichten.
Kirchhellen war ein einfacher Grasplatz, welcher sich bis zum 24. März in einem gutem Zustand befand, als alliierte Bombenangriffe und deutsche Truppen versuchten, diesen unbrauchbar machen. Danach hatte der Platz erhebliche Bombenkrater.
Das Flugfeld  war durch Hindernisse in Form von 6 inch großen Dreibeinen blockiert worden. Diese waren von deutschen Einheiten in regelmäßgigen Abständen auf dem ganzen Flugfeld verteilt worden. Zudem standen mehrere Zäune auf dem Flugfeld, welche eine mögliche Landung zusätzlich erschweeren sollten.
Um den Flugplatz wieder in Betrieb nehmen zu können, mussten sieben Bombentrichter auf der Piste und fünf auf dem Vorfeld verfüllt werden. Durch den sehr hohen Grundwasserspiegel wurde diese Aufgabe zusätzlich erschwert. Es war notwendig, das Wasser aus den Kratern abzupumpen. In einem Fall musste eine Abflussdrainage verlegt werden, um die große Wassermenge zu beseitigen.
 

IX Engineer Command  "Traffic Statistics" 27.03.1945 bis 09.08.1945.

No / Platznummer: Y-82
Field / Ortbezeichnung: Kirchhellen (im Report Kirchellen)
Days Opr by Gator (Combined Air Transport Operations Room) / Nutzungstage GATOR: 5
No. of Aircraft / Durchgeführte Flüge:  44
Cargo Delivered ( Long Tons) – POL / Abgewickelte Fracht - Treibstoffe, Öle, Fette: 74,5
Cargo Delivered ( Long Tons) – Rations = Abgewickelte Fracht – Verpflegung: 0
Cargo Delivered ( Long Tons) – Ammo. = Abgewickelte Fracht – Munition: 0
Cargo Delivered ( Long Tons) – Med.Supplies = Abgewickelte Fracht – Medizinischer Nachschub 0
Cargo Delivered ( Long Tons) – Misc = Abgewickelte Fracht – verschiedenes: 27
Total Tonnage = insgesamt abgewickelte Frachttonnage: 101,5
Ex. POW´s evac. = Evakuierte ehemalige Kriegsgefangene: 1847
Woundet evac. Mar. Apr. May = Evakuierte Verwundete von März bis Mai: 4830

 

Quellen:

[*1] = Flugbucheinträge.
[*2] = Gen.Q., Flugzeugzuweisungslisten.
[*3] = Genst.Gen.Qu. 6. Abt., Flugzeug Verlustlisten
[*4] = Ultra-Meldungen des britischen Geheimdienst.
[*5] = www.ww2.dk

 Eine abgetarnte Dornier Do17 auf einem unbekannten Feldflugplatz
Eine Junkers Ju87B-1 der IV. (Stuka)/L.G. 1 lässt ihren Motor warmlaufen.
Später verlegten die Junkers Ju87B-2 der 10./L.G. 1 auf einen frontnäheren Flugplatz - nach Saint-Inglevert.
Weitere Junkers Ju87B-2 der 10./L.G. 1 in Saint-Inglevert.
Die Ehrenformation steht noch an der Ju52/3 von Kesselring, als dieser von Hptm. Falck begrüßt wird.
Die Inspektion der  I./Z.G. 1 beginnt.
Kesselrings Reiseflugzeug rollt zum Start.
Eine Bf110C-1 der 1./Z.G. 1, Vbkz. 2N+DH ist nach der Landung im weichen Boden eingesackt. Ein Problem, was auch auf dem Feldflugplatz Kirchhellen häufig auftrat.
Ein Profil der He111, mit der Karl Hauck von Kirchhellen aus an Einsätzen des K.G. 4 teilnahm.
Eine Heinkel He111 der 5./K.G. 4, Vbkz. 5J+DN. Der Aufnahmeort ist unbekannt, möglicherweise Kirchhellen.
Eine colorierte Aufnahme einer He111 der 8./K.G. 4, der Ort ist nicht bekannt
Eine Bf107 des J.G. 77 in Kirchhellen
1944: Galland bei einer Inspektion in Kirchhellen, anschließend Besuch im Elternhaus bei  Westerholt.
Eine Ju87D-5 der N.S.Gr. 2 bei Kriegsende in Neubieberg
[Strahljäger] [Flugbücher] [Datenbank] [Berichte] [Bildarchiv] [Profile] [Quellen] [Links] [Impressum]